Abschied und Ausblick bei den Damen

Adieu Janka Kräck und Willkommen Mirko Scholten

Als die Handballerinnen der TS Herzogenaurach im Oktober 2010 das Pokalspiel gegen den SV Allensbach (damals 2. Liga) erwarteten, empfahlen sie ihren Anhängern, dem Spiel beizuwohnen, "weil dies für lange Zeit das letzte Mal" sein würde, in Herzogenaurach Bundesliga-Handball zu erleben. Die wacker kämpfenden Gastgeberinnen unterlagen zwar standesgemäß mit 15:34, doch ihr damaliger Trainer Udo Hermannstädter sagte: "Da wollen wir auch mal hin."

Sieben Jahre später hat es die TSH auch dank des sportlichen Leiters Hermannstädter mit ihrem engagierten Coach Hans-Jürgen Kästl geschafft, immerhin in der 3. Liga mitzumischen. Es ist das erste Spieljahr unter dem Dach des Deutschen Handball-Bunds (DHB) mit teilweise zusätzlichen Auflagen, aber natürlich in erster Linie deutlich anspruchsvolleren sportlichen Herausforderungen.

Während die Spielerinnen etwas Zeit zur Regeneration haben, sind die Verantwortlichen seit Wochen mit den Vorbereitungen befasst. In einer Personalie machte Abteilungsleiterin Christine Odemer jetzt den Sack zu: Mirco Scholten wird Kästl-Nachfolger Klaus Watzinger als Co-Trainer unterstützen.

Auf die Frage, wie es um den bislang großartigen Zusammenhalt in der Mannschaft bestellt sein könnte, wenn man einige Pleiten hintereinander verdauen müsse, sagte Spielerin Nina Bestle: "Das wird für uns eine weitaus größere Herausforderung, darüber sind wir uns bewusst. Wenn wir aber optimal vorbereitet sind und wie bisher in jedem Spiel unser Bestes geben, uns auch die Fans bei realistisch gehäuften Niederlagen nicht gleich aufgeben, bin ich zuversichtlich." Im Aufstiegsjahr ging die TSH nie zwei Mal in Folge als Verlierer vom Feld.

Aufgrund ihres einjährigen Mitwirkens beim ESV Regensburg in der 3. Liga erwartet sie eine ausgeprägtere Härte sowie konditionelle und athletische Höchstbelastungen. Zudem würden technische Fehler sofort bestraft: "Wir müssen akzeptieren, dass wir künftig nach einer Niederlage nicht sofort wieder den Erfolgsmodus abrufen können, aber zumindest immer an unsere Chance glauben." Odemer erläuterte eine der absehbaren finanziellen Mammut-Aufgaben: "In der Bayernliga reichten die Einnahmen von 150 Zuschauern nicht immer, um die Fahrtkosten der Schiedsrichter zu begleichen. In der Bundesliga, wo diese oft aus einem anderen Bundesland anreisen, müssen wir von 500 bis 600 Euro pro Spiel nur für diesen Posten ausgehen." Darüber hinaus müsse auch das Team mit weiteren Auswärtsfahrten rechnen.

Eine Vorgabe des DHB: Jeder gastgebende Verein muss von den Heimspielen Videoaufnahmen machen und den nachfolgenden Gegnern zur Verfügung stellen. Die Abteilungsleiterin und Hermannstädter werden diese Anforderung erfüllen. Nicht ganz unproblematisch seien jedoch der steigende Trainingsaufwand. Offen ist auch, ob man bei Heimspielen eine zweite Tribüne ausfährt. Das hänge davon ab, wie die Herzogenauracher die höhere Spielklasse annehmen. Zumindest die Anwurfzeiten (sonntags um 14.30 oder 15 Uhr) wolle man beibehalten.

Watzinger sieht gute Chancen auf den Klassenerhalt. Er habe eine bestens harmonisierende und sportlich gut entwickelte Mannschaft angetroffen. Derzeit versuche die Turnerschaft, den Kader noch etwas zu verstärken, um die reizvolle Aufgabe mit 16 Akteuren zu meistern. Fortan seien drei Trainingseinheiten pro Woche in der Halle vorgesehen, dazu eine im athletischen Bereich sowie eine eigenständige Einheit nach Vorgaben. Eine Aufwandsentschädigung könne sich der Verein nach wie vor aber nicht leisten. Aktuell sei noch nicht einmal die Wettkampfausstattung gesichert - und dies in der Welthauptstadt der Sportartikel-Industie. "Das glaubt uns kein Gegner", äußerte unter anderem Bestle.

Watzinger, der den sportlichen Rahmen vorgibt und die taktischen Belange steuert, sowie Scholten (siehe untenstehender Artikel) wollen mit Torhüter-Trainerin Maja Gubova zudem die zweite Mannschaft - zum Teil mit überlappenden Einheiten - näher an das Geschehen heranführen. "Wir freuen uns auf eine tolle Saison und werden versuchen, den großen Druck von den Mädels fernzuhalten. Das Umfeld ist super. Jetzt wollen wir alle gemeinsam herausfinden und zeigen, was in Herzogenaurach möglich ist", sagen Watzinger und Scholten unisono.

Odemer mahnte gleichzeitig, dass "wir 13 Mannschaften in der Abteilung haben, die nicht vergessen werden dürfen, sondern die wir mitnehmen wollen auf diese ungewisse, aber bestimmt interessante und sportlich anspruchsvolle Reise". Hier ist besonders Hermannstädter gefragt, der für die weiblichen TS-Handballer verantwortlich ist: "Wir wollen den Erfolg der ersten Mannschaft als Signal für alle Teams bis in die Jugend nutzen."

Danke Janka!

Betrübt ist man bei der TSH über den Abschied der langjährigen Linksaußen Janka Kräck. Die vorbildliche Teamspielerin war das letzte "Urgestein" aus der Jugend der TSH und zeigte sich in der kompletten Bayernliga-Zugehörigkeit ihres Klubs als kompromisslose Abwehrspielerin und wertvolles Bindeglied für neue Mitspielerinnen. "Ich weiß nicht, wo mich das Schulamt hinschicken wird", sagt die angehende Lehrerin. Zudem sehe sie für sich angesichts ihres möglichen Trainingsaufwands keinen Platz in der 3. Liga.

Mann mit Handballwissen und Teamgeist

Mirco Scholten ist im Erlanger Unternehmen seines Vaters tätig. Er war der Wunsch-Co-Trainer von Klaus Watzinger. Der 29-Jährige spielt als Kreisläufer für den Bayernligisten TV Erlangen- Bruck und war über einen längeren Zeitraum an der Seite von Watzinger im weiblichen Nachwuchs des HC Erlangen tätig. Daher kennt er einige der Akteure seiner zukünftigen Mannschaft und vermittelt große Vorfreude auf seinen Posten: "Es ist immer spannender in einem aufstrebenden Verein etwas zu bewegen, als im etablierten Umfeld großer Klubs auf der Stelle zu treten."

Scholten solle sich mit individuellen Einhalten um eine weitere Verbesserung jeder einzelnen Spielerin bemühen. Dies traut ihm Watzinger zu: "Mirco hat sich in relativ kurzer Zeit enorm viel Handballwissen angeeignet. Da ihn auch ein vorbildliches Teamverhalten auszeichnet, wird er uns helfen."

Bericht aus "Fränkischer Tag" von Volker Schneller